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Die Staatskarosse

02.02.2012 | Keine Kommentare

Nachdem sich die Idee als Forelle verkleidet auf Moaninger Maskenball zu gehen als nicht zielführend erwies, beschloss der Baron seine Teilnahme am Hohenemser Faschingsumzug mit einem eigenen Faschingswagen. Thema des Wagens: „Ball der Journaillen & Plotikeri“. Wagenmarke: Staatskarosse auf drei Rädern. An Stelle des vierten Rades schleift die Achs am Boden. So wackelt die Karosse imposant durchs Herrenried. Oben steht die unbefekte Schottermary & wirft Spielgeld in den Volk. Strawanzler & Spindellecker ziehen die Karrotze an der krummen Deixel. Welch bestechlicher Eindruck! Auf dem Kutschersitz streiten der blaue Drache mit der grünen Hex und dem oranschen Gnom um die Peitsche. Unmittelbar dahinter liegen sich altrechtse Burschensaftler und neulinkse Gutmenschler in den Haaren und werfen sich Juden an Kopf. Der Wagen fällt nach links, alle kugeln hinterher. Grad kriegt ein Grüner vom blauen Stiefelknecht einen Tritt in die Weicheier. Der Volk zerkugelt sich. Jetzt eiert das linke Hinterrad. Der Gnom steckt einem roten Goodi eine faule Mandarine in den Hals. Die Karotze fällt nach rechts. Durcheinander. Saustall. Endlich ein öffentliches Puff in Hohenems! Ein kleiner Schwarzer stellt sich mit der blauen Sau am Wagenende zum großen goldenen Ehrenseichen auf. Die Staatskarotze kippt nach vorn. Ein Mohrenkopf wird von einem blauen Buberl zerlegt. Jetzt humpelt die Karosse im Kreis. Altfeministinnen zettern: „Schmeißt ihn raus den Buben, reines, ja reines Haus muss ein, ja muss ein Staatsknecht ha-a-a-ben“, dann zerreissen sie die Blusen. Hm. Grasser lässt die Hosen runter und zeigt seine Kristallwelt. Strawanzler & Spindellecker wiehern vorn zurück. Dann steht alles und beschimpft alles. Ein Schurnaillist schleicht sich als Hofburg verkleidet von hinten auf den Wagen und notiert sich jeden Judensager und Nazirülpser in Gehstapomanier. Wenn er einen Standardsack voll hat, verkauft er die Sager an die Presseaschenturen, die sie an müde Provinzblättchen weiterverscherbeln. Zuletzt werden alle im Orfloch entsorgt. Der Musikant spielt den Säbeltanz. Selbstgerächte Kohlumnisten mohralisieren und dürfen sich wieder betätigen: guuut! Alles bleibt besser. Die blaue Sau kriegt Junge, die anderen keinen Nachwuchs. Da erscheint Fischers Fritz als Heinz Conrads und macht das mutige Heldenmännchen. Er stellt den goldenen Orden mit Stern unter Arrest. Die Linksen applaudieren der mutigen Tat. Heinzi wäscht die Hände. Margit räumt die Orden wieder weg. Der Emser Volk steht am Rand und ruft „Duri duri o.“

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